Kauf des Rathauses

 

In nachstehendem Protokoll vom 18. Mai 1859 geht es um den Ankauf des sogenannten "Weißgerberhauses" durch die Gemeinde Admont. Dieses Weißgerberhaus ist jenes Haus, in dem sich heute das Gemeindeamt befindet.


 

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Rathaus Admont

mit Fahne der Partnerstadt Polheim

in Hessen

 

Protokoll

aufgenommen am 18. Mai 1859 in der Gemeinde Admont

 

Gegenstand der Verhandlung:

Die Gemeinde Admont ist gesonnen, das gegenwärtig bestehende Spital, Haus Admont Nr. 19 wegen Mangel an Raum zu veräußern, und dafür das gegenwärtige Weißgerberhaus Nr. 34 in der Gemeinde Admont zu kaufen, weil die Gemeinde Admont der Meinung ist, daß durch die Vergrößerung in Folge eines Zubaues des schon bestehenden Marktspitales die Auslagen höher steigen dürften, als durch den Ankauf eines in gutem Bauzustand befindlichen, mit gehörigen Räumlichkeiten versehenen Hauses, welches noch dazu neben dem Vortheile, die einem Spitale nöthigen gesunden Räumlichkeiten, auch noch der Marktgemeinde durch Zinserträgnisse eine kleine Finanzquelle (erbringen) wird.

 

Gegenwärtige

Der Gemeindevorstand Herr Alois Stocker und die Ausschüsse Herr Clemens Kaltenbrunner, Herr Jakob Kassegger, Herr Dr. Alois Pröll, Herr Mathias Weigl und Herr Adam Mehlwög, und als Schriftfüher Franz Weiß.

 

Bemerkung

Da der nebenstehende Gemeinde Vorstand Herr Alois Stocker zugleich erster Gemeinderath ist, der zweite, Gemeinderath Andrä Vogel, dann die Ausschüsse Herr Dr. Philipp Pototschnig, Franz Kemetmüller mit Tod abgegangen, der Ausschuß Mathias Kofler aber als Interessent, nähmlich als Verkäufer abwesend ist, konnte die Anzahl der beratenden Gemeindeglieder nur die obige Zahl sechs betragen.

1) Die Gemeindeglieder haben nun beschlossen, und zwar alle obigen mit Ausnahme des Herrn Mathäus Weigl, welcher dagegen spricht, anzukaufen das in der Marktgemeinde und im Markt gelegene Haus Nr. 34 gegenwärtig im Besitze der Eheleute Mathäus und Maria Kofler und zwar das Haus, ohne die Weißgerbergerechtsame mit dem an der Südseite des Hauses befindlichen Garten und dem an das Hoffeld angrenzenden Baugrund, ferner die unter Urbar Nr. 35 u. 38 vorhandenen Stallungen der Weißgerberstätte und dem im Hause noch niet - und Nagelfesten, sowie die dabei befindlichen Winterfenster.

2) Die Kaufbedingungen sind die nachstehenden:

a) Der Kaufpreis wurde beiderseits bestimmt mit 5.500 fl Cm

b) Nach Abschluß und gegenseitiger Unterzeichnung des Kaufcontraktes bekömmt der Verkäufer Mathäus Kofler als erste Rate 1.000 fl (eintausend Gulden Conventionsmünze/Cm) jedoch unter der Bedingung, daß nach geschehener Liquidation die Kaufsumme von 5.500 fl Cm nicht mit Einschluß der obigen Zahlungsrate zu 1.000 fl Cm durch keine Quote überschritten wird, so zwar, daß die oben angesetzten 1.000 fl Cm als Rate, samt den vorfindigen Schulden die Summe von 5.500 fl Cm nicht überschreiten.

3) Den Restbetrag zu viertausend fünfhundert Gulden Cm auszuzahlen wird die Gemeinde erst dann bewerkstelligen können, wenn die Gemeinde Admont den Verkauf des bestehenden Spitals - Hauses Nr. 19 ins Werk gesetzt haben wird, sei es mit dem Verkäufer Mathias Kofler oder mit dessen Gläubigen und wenn auch die dem Spital gehörigen ausgeliehenen intabulierten Schulden der Marktgemeinde rückbezahlt sind.

4) Die Gemeinde Admont übernimmt sodann nach Ratification des Vertrages mit dem ersten November 1859 das Haus Nr: 34, die Werkstätte, Stallungen, Urbar Nr: 35 u. 38 samt Garten und dem am Hoffelde gelegenen Grund in desselben Eigenthum.

5) Dem Verkäufer Mathias Kofler wird bis ersten April 860 gestattet, daß er ohne Entgelt nachstehende Räumlichkeiten bewohnen könne, als: Das gesamte Erdgeschoß samt Stallung und Werkstätte und die im ersten Stock auf der Nordseite befindlichen zwei Zimmer und einen Kalter.

6) Bis ersten November 859 hat der Verkäufer sonach die auf dem Hause befindlichen Lasten und Gefahren zu tragen, als auch die daraus resultierenden Vortheile zu beziehen.

7) Die Gemeinde als Käufer, behält sich vor, ehe der Vertrag beiderseitig geschlossen ist, die Genehmigung dieses Ankaufes von Seite der k.k. politischen Behörde einzuholen.

8) Ferner behält sich die Gemeinde vor, die Bestimmungen zu diesem Ankaufe, falls die k.k. politische Behörde es für richtig erachten sollte, auch von Seite der übrigen Gemeindeglieder die nicht im Gemeindeausschuß vertreten sind, zu erhalten.

9) Als Nachtrag zu den Verkaufsbedingungen, daß der Verkäufer Herr Mathias Kofler, wenn der Termin bis 1. April 860 abgelaufen, das Vorrecht vor anderen Zinspächtern haben soll, die bis dahin innegehabten Räumlichkeiten gegen angemessene Entschädigung auch fernerhin über jedesmaliges Uibereinkommen mit der Gemeinde zu bewohnen und zu benützen, ausgenommen sind der Grund am Hoffeld und der Garten..

Geschlossen und vorgelesen, unter Beisein des Verkäufers, Herrn Mathias Kofler und dessen Ehefrau Maria Kofler, und sämtlicher obgenannter Gemeindemitglieder. Alois Stocker, Gemeindevorstand, m.p. Die Herren Gemeindeausschüsse: Dr. Pröll m.p., Clemens Kaltenbrunner, Jakob Kassegger, Mathias Weigl mit dem Bemerken, daß er zu dem Betrag nicht zustimmt, Adam Mehlwög m.p. Mathias Kofler m.p. Maria Kofler m.p.